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OPERA GOES MUSICAL. «CABARET» IM DEUTSCHEN NATIONALTHEATER WEIMAR

Cabaret am DNT Weimar

Zum Auftakt der neuen Saison 2020 brachte das Deutsche Nationaltheater das Musical „Cabaret“ auf die Bühne. Die Premiere der gemeinsamen Produktion von Musiktheater, Schauspiel und Staatskapelle fand am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit statt. Die Oper machte einen Abstecher in das „leichte“ Genre. Und hier sind die Eindrücke eines Zuschauers, wie dieser Versuch gelungen ist.

 

 

DAS ORIGINAL

 

„Cabaret“, ein Musical von John Kander mit Songtexten von Fred Ebb und einem Libretto von Joe Masteroff, wurde 1966 am Broadway nach John Van Drutens Stück „I Am the Camera“ (1951) uraufgeführt. Dass es weltweit hohe Bekanntheit erlangte, ist u.a. dem Regisseur und Choreografen Bob Fosse zu verdanken. Seine Verfilmung (1972) wurde mit 8 Oscars und insgesamt mit etwa 20 weiteren Filmpreisen ausgezeichnet.

 

Trotz seines beträchtlichen Alters geriet das Musical nicht in Vergessenheit. Am Broadway wird es immer wieder neu aufgeführt. Ein Revival erlebt das Musical auch in Deutschland. In den letzten zwei Jahren kam es in Altenburg, Halle und Dessau auf die Bühne.

 

 

DIE GEFAHR DES PLAGIATS

 

Jede neue Interpretation dieses Musicals wird unweigerlich mit dem brillanten Werk von Bob Fosse verglichen. Und es ist bestimmt auch für Regisseure nicht unbedingt leicht, sich von der „klassischen“ Interpretation zu lösen.

 

In der DNT-Auffassung sind kleine Entlehnungen aus Bob Fosses´ „Cabaret“ vorhanden: z.B. Spiegelflächen zu Beginn der Aufführung oder die komische Krawatte, die Clifford trägt, wenn er Sally den Heiratsantrag macht. Diese wenigen Momente in der Weimarer Produktion, die die Details der Verfilmung wiederholen, wirken aber nicht wie Plagiat, sondern eher wie ein Tribut, eine Widmung an das große Vorbild.

 

 

Cabaret am DNT Weimar

 

«Sag´s nicht meiner Mutter» im «Cabaret» des Deutschen Nationaltheaters.   Bild: Generalprobe  © Candy Welz / DNT

 

 

SCHWIERIGKEITEN DES LEICHTEN GENRES

 

Operngesang ist die Schule der höchsten vokalen Fähigkeiten. Und man könnte meinen, dass derjenige, der Opernarien beherrscht, problemlos alles andere singen kann. Das stimmt aber nicht. Jedes Genre hat seine eigene Bewandtnis, seine eigene Stimmtechnik. Die Kehle eines Opernsängers steht tief, um die berühmte „Gähnweite“ zu erzielen. Man weiß zwar, dass man im Pop die Stimme flach geben muss, aber es ist unheimlich schwer, die eingefahrenen Gleise, die jahrelang angeeigneten Einstellungen zu verlassen. 

 

Musikstil bestimmt auch Plastizität, Körperlichkeit und Energie, mit der zu dieser Musik gesungen, geatmet, getanzt und gefühlt werden kann und muss.

 

Musical ist die Kunst forscher und körperlich trainierter Menschen. Opernsänger sind aber nicht immer sportlich, und wenn sie in Musicals singen, treffen sie auf Probleme mit der körperlichen Intensität.

 

Der „Schrank-Body“ (pardonnez-moi!) eines durchschnittlichen Opernsängers kann rein anatomisch nicht wie der Körper eines Musicaldarstellers agieren. Er ist maßgeschneidert für etwas anderes. Er ist ein Resonator und eine Hülle, in der die Stimme und die den Klang erzeugenden Organe sorgfältig aufbewahrt werden. Der Opernsänger hat schlichtweg nicht genügend freie Kapazitäten, um Emotionen über den ganzen Körper zu verteilen.

 

 

Даша Траутвейн в роли Салли Боулз. «Кабаре» ННТ Веймара, 3 октября 2020

 

Dascha Trautwein als Sally Bowles. «Cabaret» DNT Weimar, 3. Oktober 2020   Bild: © Candy Welz / DNT

 

 

 

Der beste Weg, um ein Musical in einem Theater zu retten, wo der „Schrank-Body“ zu Standard-Ausstattung der Sänger gehört, ist die „Flucht“ in die Komik. Die Forsche nicht zu imitieren, sondern sie scherzhaft anzudeuten: Hier hätte ein grand battement sein sollen, und da, Sie verstehen, ein rockiger Sprung von unglaublicher Anmut.

 

Der zweite schlaue Trick, um die Steifheit des Körpers zu verbergen, besteht darin, diese mit auffallenden, originellen Kostümen zu übertönen.

 

Der Berliner Regisseur Nurkan Erpulat, der eingeladen wurde, „Cabaret“ in Weimar zu inszenieren, nutzte diese beiden Lifehacks. Humor, Groteske, Bouffonerie, Travestieweltszenerie, die buntesten Kostüme (die die Darsteller in rasender Geschwindigkeit wechseln mussten), das alles vermochte er mit großem Geschick und an den richtigen Stellen anzuwenden.

 

 

WAR ETWAS FAUL IM STAATE DÄNEMARK?

 

Das Weimarer „Cabaret“ hatte viele gute Momente. Wir verbleiben aber vorerst noch eine Weile beim Thema Körper und Bewegung. Und da war nicht immer alles rosig.

 

Choreografin Modjgan Hashemian hat iranische Wurzeln, studierte Choreografie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sie arbeitet mit Nurkan Erpulat im Berliner Maxim Gorki Theater oft zusammen. „Cabaret“ ist ihr erstes gemeinsames Musical.

 

Ein amerikanisches Musical mit persisch-türkischem Seelenfeuer auf deutschem Boden – dieser explosive Cocktail ist allein wegen seiner Exotik sehenswert.

 

Aber bei allem Respekt zu neuen Kombinationen sieht der Einschuss orientalischer Plastizität im Grundmuster von John Kanders „schwarzer“ Musik jedoch nicht wirklich glaubwürdig aus. Zu den „ortsfremden“ Bewegungen kommt die Unvollständigkeit des choreografischen Arrangements dazu. An einigen Stellen klemmt die Choreografie fest und entspricht der Dynamik und dem Charakter der Musik nicht.

 

Leider konnten gerade die eingeladenen Profitänzer mit ihrer Kunst nicht überzeugen. Sie waren oft nicht synchron, ihnen fehlte die angemessene Körperspannung und das Verlangen, das Haus zu rocken.  Die Sänger vom Opernchor, die auch in den Tanzkompositionen einbezogen waren, gaben sich viel mehr Mühe und ließen es krachen.

 

 

«Mein Herr» в исполнении Даши Траутвейн, танцоров, певцов и музыкантов ННТ. «Кабаре» ННТ Веймара, 3 октября 2020

 

«Mein Herr» performt von Dascha Trautwein, Tänzern, Sängern und Musikern des DNT . «Cabaret» DNT Weimar, 3. Oktober 2020  

Bild: © Candy Welz / DNT

 

 

Die Besetzung der weiblichen Hauptrolle (Sally Bowles) scheint auch fragwürdig zu sein. Dascha Trautwein ist eine gute Schauspielerin mit einer anständigen Stimme. Jedoch ist sie stimmlich oft schwach in jenen Momenten, wo man Stärke zeigen müsste, und manchmal trifft sie sogar den Ton nicht.

 

Außerdem ist sie für die Rolle „des verrücktesten Mädchens“ von 20 Jahren alters- und charaktermäßig ein bisschen „überqualifiziert“. 

 

 

ERFOLGE

 

Ihr gewohntes hohes Niveau konnten die Chorsänger des DNT demonstrierten. Sie haben es geschafft, aus der Nische des Operngesangs auszubrechen. Auch den Musikern der Weimarer Staatskapelle gelang es zu beweisen, dass sie in jedem Genre zu Hause sind. Ihrem Swing und Jazz hört man gern zu.

 

Solist des DNT Uwe Schenker-Primus ist zu einem echten Juwel des Weimarer „Cabarets“ geworden. Er trat in der Rolle des Conférenciers auf. Schenker-Primus ist ein charmanter Bariton mit traditionellem „Klangkörper“. Einen dämonischen Conférencier hätte er kaum geben können.

 

 

Cabaret am DNT Weimar

 

Uwe Schenker-Primus als Conférencier. «Cabaret» DNT Weimar, 3. Oktober 2020  Bild: © Candy Welz / DNT

 

 

 

Der Regisseur machte einen großartigen Schachzug: Er verwandelte seinen Conférencier in einen Drag-Queen-Künstler. Schenker-Primus spaziert in unglaublichen Outfits über die Bühne. Das bezaubernde Spektakel begleitet er mit einem exquisiten, ironischen Schauspiel und fantastischen Gesang.

 

Mitglieder des Schauspielensembles Thomas Kramer, Janus Torp und andere unterstützen die musikalische Harmonie der Produktion durch ihr eindrucksvolles Talent und Hingabe.

 

 

Томас Крамер (в центре в роли Клиффорда) и Янус Торп (справа в роли Хуанито) . «Кабаре» ННТ Веймара, 3 октября 2020

 

Thomas Kramer (in der Mitte als Clifford ) и Janus Torp (rechts in der Rolle des Juanito). «Cabaret» DNT Weimar, 3. Oktober 2020  Bild: © Candy Welz / DNT

 

 

 

TOMORROW BELONGS TO ME

 

Das Lied des Hitlerjungen „Der morgige Tag ist mein“ wird in der Vorstellung zweimal gespielt. Die A cappella-Version von vier Solisten des DNT verdient höchste Anerkennung und Bewunderung und dringt direkt unter die Haut.

 

Ein weiterer Hit des Musicals, „Money“, scheint in der Ausführung von Bob Fosse unüberbietbar zu sein. Aber auch hier fand das DNT eine Lösung: „Money“ war kein Duett mehr, sondern wurde unter der Leitung des Conférenciers zu einem kollektiven Feuerwerk und Clownerie. Der Song erklang daher neu und erhielt einen globaleren Charakter.

 

 

Cabaret am DNT Weimar

 

«Money» in «Cabaret» DNT Weimar, 3. Oktober 2020   Bild: © Candy Welz / DNT

 

 

 

NEW CABARET IN THE TOWN

 

Dem Deutschen Nationaltheater ist es gelungen, kein akademisches, kein Opernmusical, sondern ein „echtes“ Musical auf die Beine zu bringen. Das Weimarer „Cabaret“ inspiriert zum Mitsingen, Tanzen und – was noch wichtiger ist – es berührt! Es sensibilisiert nicht den bewertenden, neunmalklugen Scharfsinn, sondern trifft direkt das Ziel der Theaterkunst – die Herzen der Zuschauer.

 

Im „Cabaret“ von Nurkan Erpulat fehlen Plakativität und moralisierende Schlussfolgerungen. Entgegen der Tradition, die sich in der deutschen Theaterlandschaft etabliert hat, belehrt die DNT-Aufführung nicht. Sie lebt, liebt und begeistert.

 

 

 

 

 

Text: Evgeniya Kirsch    Bild: © Candy Welz / DNT

 

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